NPOs von Corona-Krise stark getroffen

Die Corona-Krise trifft auf Fundraising angewiesene NPOs besonders hart. 80 Prozent der befragten Organisationen sind (eher) negativ von den Folgen der Corona-Krise betroffen. Es sind dies v. a. Organisationen, die in den Bereichen Kinder, Entwicklungshilfe und – tendenziell – im Tier-/ Natur-/Umweltschutz oder für spezielle gesellschaftliche Gruppen (Behinderte, sozial Benachteiligte, Flüchtlinge) tätig sind. Darüber hinaus sind auch die Kirchen durch die wochenlange Sperre von massiven Spendenverlusten getroffen.

Dies ist das Ergebnis einer vom Linzer Sozialforschungsinstitut Public Opinion vom 27. 5. bis 3. 6. durchgeführten Onlinebefragung bei 128 im Fundraising tätigen österreichischen NPOs. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, geben jedoch einen Einblick in so manche Problemlagen, in welcher sich der NPO-Sektor dzt. befindet.

Die Krise trifft die Organisationen direkt ins Herz. So sind es vor allem Projekte und das unverzichtbare Fundraising, welche unter der Corona-Krise leiden. Damit zusammenhängend zeigen sich auch Auswirkungen auf das Personal und die für die tägliche NPO-Arbeit notwendige Kommunikation. Für rund ein Fünftel der Befragten wirkt sich die Krise auch auf die Liquidität der jeweiligen Organisation aus.

Lediglich 8 Prozent der befragten Organisationen sind der Meinung, dass die bisherigen Maßnahmen der Politik ausreichend sind, ihnen in dieser Krise zu helfen; jede vierte Organisation verneint dies. Rund zwei Drittel der Befragten sind sich noch unschlüssig – einerseits kann man die bisherige Entwicklung noch nicht endgültig abschätzen, andererseits gibt es auch die für NPOs angekündigten Förderungen aufgrund fehlender Durchführungsbestimmungen derzeit noch nicht.

Am 29. 5. 2020 wurde der Mitte Mai eingebrachte Gesetzesvorschlag betreffend der Errichtung eines NPO-Unterstützungsfonds im Nationalrat beschlossen. Damit kommt man einer möglichen Antragstellung und Auszahlung von dringend benötigten Zuschüssen näher. Als Empfänger der Unterstützungsleistungen kommen alle mildtätigen, gemeinnützigen und kirchlichen Organisationen im Sinne der §§ 34 ff Bundesabgabenordnung und Rechtsträger, an denen diese beteiligt sind, in Frage. Da die Richtlinien noch nicht vollständig ausgearbeitet sind, dürfte mit den ersten Auszahlungen nicht vor Ende Juni zu rechnen sein.

Die Corona-Krise brachte offensichtlich auch große organisatorische Veränderungen mit sich. 9 von 10 Organisationen stellten (zumindest teilweise) auf Homeoffice um. Jede zweite Organisation beantragte Kurzarbeit; ebenso wurde von manchen ein spezielles Corona-Fundraising ins Leben gerufen. 29 Prozent geben an, beim Corona-NPO-Unterstützungsfonds anzusuchen, jede zehnte Organisation sucht Hilfe in den Bundesländern.

Im Fall, dass die Krise noch bis Ende des Jahres andauert, könnte bei 6 von 10 Organisationen Kurzarbeit zum Tragen kommen und man müsste sich zunehmend auf die Kernbereiche beschränken.

Mit der Corona-Krise gibt es auch große organisatorische Herausforderungen. So kam/kommt es zum verstärkten Einsatz digitaler Instrumente und der Ausgliederung mancher Tätigkeiten – soweit möglich – ins Homeoffice. Neue Kooperationsformen und eine schlankere Organisation werden dabei ebenso angedacht bzw. erprobt.

Alles in allem befinden sich die auf Fundraising angewiesenen Organisationen in einer schwierigen Lage. Obwohl Kündigungen größtmöglich hintangehalten werden, droht das Damoklesschwert der Kurzarbeit. Spendenausfälle und pandemiebedingte Arbeitserschwernisse stellen laufende Projekte in Entwicklungsländern oder für benachteiligte Personengruppen in Frage. Für das Fundraising wichtige Veranstaltungen können/konnten nicht stattfinden. So manche Organisation musste in die technische Infrastruktur investieren und manche ohnehin schon geringbeschäftigte Personen mussten weitere Stundenkürzungen in Kauf nehmen. Zudem besteht die Gefahr, dass auch größere Organisationen, die bisher einen größeren Bereich an gesellschaftlichen Hilfs- und Unterstützungsleistungen erbrachten, sich in Hinkunft auf ihren Kernbereich beschränken müssen.