soziologie heute Dezemberausgabe 2019

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Werte Leserin, werter Leser,
unsere Welt scheint von einem rasenden Wandel erfasst zu sein. Viele Menschen sind beunruhigt und befürchten, mit dem technologischen Wandel nicht mehr Schritt halten zu können. Gesellschaftliche Verwerfungen durch Technik haben immer wieder zu Skepsis und Widerstand geführt. In der von Hermann Strasser in diesem Heft gestarteten Reihe „Cultural Lag“ sollen Wege zur Bewältigung aufgezeigt werden. Es ist der erste Beitrag einer ganzen Reihe von Experten.
Wer partizipiert zu welchen Bedingungen an der Öffentlichkeit? Besteht überhaupt die eine Öffentlichkeit, die eine Vormachtstellung in der Gesellschaft einnimmt, oder liegen vielfältige Öffentlichkeiten vor, die sich gegenseitig beeinflussen? Katharina Wurzer versucht in ihrer Masterarbeit diesen Fragen nachzugehen.
Ganz in der Manier von Jean-Jacques Rousseau fordert auch Andreas Bleeck fast 260 Jahre später einen neuen Gesellschaftsvertrag. Neu ist dabei die Vergabe von Rechten an Gruppen anstatt Individuen. Bleeck formuliert insgesamt 9 Punkte, die in diesen neuen Gesellschaftsvertrag aufzunehmen sind.
Vor drei Jahrzehnten endete der Ost-Westkonflikt. Viele Beobachter der internationalen Politik befürchten heute ein Wiederaufleben einer geopolitischen Konfliktkonstellation, nunmehr zwischen einer ganz offensichtlich absteigenden USA-Weltmacht und dem sich zu einer neuen Weltmacht entwickelnden China. Dieter Senghaas stellt die Friedenspolitik auf den Prüfstand.
Spenden sind gerade in der Vorweihnachtszeit ein allseits behandeltes Thema. Gemäß Prognosen soll heuer das Spendenaufkommen in Österreich erstmals die 700 Millionen Euro-Marke erreichen. Bernhard Hofer geht in seinem Beitrag der Frage nach, wofür und warum Menschen spenden und hält fest, dass Österreich noch weit vom sogenannten Spendenweltmeister entfernt ist.
Vor rund 90 Jahren wurde der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas in Düsseldorf geboren – Grund genug, dass soziologie heute dem Altmeister einen gebührenden Platz einräumt. Alfred Rammer widmet sich in dieser und den folgenden Ausgaben einigen ausgewählten Themen, die den Starintellektuellen immer wieder umtrieben.

Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit und einen erfolgreichen Start in das Neue Jahr!

Pressekonferenz Spendenbericht 2019

Am 27. 11. 2019 präsentierte der Fundraising Verband Austria den 10. Spendenbericht mit einer Prognose für das diesjährige Spendenaufkommen. Dieses wird erstmals die 700 Millionen Euro Marke erreichen – damit geben die Österreicher doppelt so viel wie vor 10 Jahren und die Spendenbeteiligung bleibt auf Rekordniveau. Im Bundeslandvergleich hat Wien den höchsten Anteil an Spendern, die Westösterreicher zeigen sich bei der Spendenhöhe am spendabelsten. Österreich ist eines der sichersten Spendenländer – bereits drei von vier der 100 größten NPOs tragen  das Österreichische Spendengütesiegel. Um die Entwicklung des gemeinnützigen Sektors auch für die nächsten Jahre sicher zu stellen, fordert der Fundraising Verband von der nächsten Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen, das Schließen der Lücken der Spendenabsetzbarkeit und damit mehr Wertschätzung.

Trotz schwächeren Wachstums gegenüber dem Vorjahr spenden die Österreicher 2019 so viel wie noch nie. „Die vielzitierten Spendenweltmeister sind wir in den vergangenen zehn Jahren nicht geworden. Aber: Das österreichische Spendenwesen hat sich kontinuierlich weiter entwickelt. Die österreichische Bevölkerung spendet mit 700 Mio. € dieses Jahr so viel wie noch nie. Österreichs Spendenorganisationen sagen dafür von ganzem Herzen Danke!“, zeigt sich Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands – Dachverband der Spendenorganisationen, beeindruckt über die Entwicklung. Damit hat sich das Spendenaufkommen seit dem ersten Spendenbericht 2010 verdoppelt. Abzuwarten bleibt, wie sich die Sammlungen rund um die Weihnachtszeit auswirken werden. Diese betragen in der Regel 25 bis 30 Prozent des gesamten Aufkommens. Das für 2018 ursprünglich erwartete Spendenaufkommen wurde mit 685 Millionen Euro klar übertroffen.

Wiener spenden häufig, Westösterreicher sind am spendabelsten

Mit einem Spenderanteil von 71% weist Wien im Bundesländervergleich die höchste Spendenbeteiligung auf. Am großzügigsten sind dieses Jahr aber die Salzburger, Tiroler und Vorarlberger. Mit 124 Euro ist die durchschnittliche Spende hier besonders hoch und liegt klar über dem bundesweiten Schnitt von 113 Euro. Oberösterreich liegt mit 119 Euro ebenso über dem Durchschnitt, während Wien mit 99 Euro und Steiermark und Kärnten mit 100 Euro pro Spender klar darunter liegen. Die Niederösterreicher und Burgenländer bewegen sich bei der Spendenhöhe genau im Österreichschnitt, sind mit 57% allerdings Schlusslicht bei der Spendenbeteiligung. „Bei den Spendenzielen sind den Österreichern bundesweit eindeutig Kinder, Tiere und die Soforthilfe bei Katastrophen besonders wichtig.“, erklärt Bernhard Hofer, Geschäftsführer des Sozialforschungsinstituts Public Opinion.

Rund 2,3 Millionen Menschen in Österreich engagieren sich ehrenamtlich in weit über 100.000 Vereinen und Spendenorganisationen. Darunter sind unzählige Jugendliche. „Über 85.000 Sternsingerinnen und Sternsinger motivieren die Bevölkerung jährlich zu großzügigen Spenden im Rahmen der Dreikönigsaktion. Durch diesen großartigen ehrenamtlichen Einsatz von vornehmlich Kindern und Jugendlichen können wir über eine Million Menschen in Not helfen. Ein starkes Zeichen für die große Solidarität in unserem Land.“, betonte heute Jakob Maierhofer-Wieser, Geschäftsführer Dreikönigsaktion – Hilfswerk der Katholischen Jungschar.

Jugend spendet verstärkt Online

Unter Jugendlichen spielt sich soziales Engagement vermehrt im Internet ab. Sie nutzen Online-Spendenplattformen, die für konkrete Projekte werben, und Apps, die über Mikrospenden funktionieren. Bei klassischen Geldspenden greift die Altersgruppe 14-29 %). Ansonsten greifen sie bei klassische Geldspenden aber verstärkt zu Online-Zahlungsmethoden: 29,7% spenden via Online-Banking, 25,2% über die Website der Organisation. Spenden-/Crowdfunding-Plattformen nutzen 12,6%. Ist der Erlagschein bei älteren Menschen die wichtigste Spendenmethode, sind es bei den Jugendlichen nur mehr 14,4%.

Forderung an Bundesregierung: Lücken bei der Absetzbarkeit schließen

Insgesamt wurden 215 Millionen Euro an Spenden zuletzt geltend gemacht. Weiterhin nutzen rund 1 Million Österreicher die Absetzbarkeit, jeder dritte Spendeneuro wird abgesetzt. Damit zeigt sich kaum Veränderung gegenüber den Vorjahren. Nach wie vor gilt die Spendenabsetzbarkeit aber nur für bestimmte Bereiche des Spendenwesens. Wichtige Zwecke wie Tierschutz oder Bildung werden ausgeschlossen. Die künftige Bundesregierung ist deswegen gefordert, diese Lücken zu schließen und bürokratische Hürden für den Dritten Sektor zu reduzieren. Von den 700 Mio. € Gesamtspenden sind rund 94 % oder 658 Millionen Euro spendenbegünstigt, 42 Millionen oder 6 % verteilen sich auf nicht begünstigte Zwecke wie Tierschutz, Bildung oder Sport. Dabei könnte etwa die Ausweitung der Spendenabsetzbarkeit auf Bildung laut Eco Austria-Studie jährlich 35 Mio. € mehr für gemeinnützige Projekte in diesem Bereich bringen. Ebenso gibt es massive Hürden und Zugangserschwernisse für Kultureinrichtungen. Für den Bereich Stiftungen wurde die Absetzbarkeit sogar zeitlich nur bis 2022 befristet, eine Verlängerung ist nicht absehbar.

Am 3. Dezember ist GivingTuesday

Millionen Menschen auf der ganzen Welt feiern am 3. Dezember gemeinsam das Geben – 2019 erstmals in größerem Rahmen auch in Österreich. Unternehmen, Spendenorganisationen und Privatpersonen engagieren sich an diesem Tag mit kreativen Spendenaktionen, ehrenamtlichen Mitarbeiteraktivitäten sowie Geld- und Sachspenden. Jeder kann mitmachen und etwas Gutes tun. In Österreich machen über 80 NPOs und Unternehmen mit. Der Tag des Gebens wird unterstützt von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen und Bundeskanzlerin Dr. Brigitte Bierlein.

Der Spendenbericht steht HIER  zum Download zur Verfügung.