soziologie heute Dezemberausgabe 2019

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Werte Leserin, werter Leser,
unsere Welt scheint von einem rasenden Wandel erfasst zu sein. Viele Menschen sind beunruhigt und befürchten, mit dem technologischen Wandel nicht mehr Schritt halten zu können. Gesellschaftliche Verwerfungen durch Technik haben immer wieder zu Skepsis und Widerstand geführt. In der von Hermann Strasser in diesem Heft gestarteten Reihe „Cultural Lag“ sollen Wege zur Bewältigung aufgezeigt werden. Es ist der erste Beitrag einer ganzen Reihe von Experten.
Wer partizipiert zu welchen Bedingungen an der Öffentlichkeit? Besteht überhaupt die eine Öffentlichkeit, die eine Vormachtstellung in der Gesellschaft einnimmt, oder liegen vielfältige Öffentlichkeiten vor, die sich gegenseitig beeinflussen? Katharina Wurzer versucht in ihrer Masterarbeit diesen Fragen nachzugehen.
Ganz in der Manier von Jean-Jacques Rousseau fordert auch Andreas Bleeck fast 260 Jahre später einen neuen Gesellschaftsvertrag. Neu ist dabei die Vergabe von Rechten an Gruppen anstatt Individuen. Bleeck formuliert insgesamt 9 Punkte, die in diesen neuen Gesellschaftsvertrag aufzunehmen sind.
Vor drei Jahrzehnten endete der Ost-Westkonflikt. Viele Beobachter der internationalen Politik befürchten heute ein Wiederaufleben einer geopolitischen Konfliktkonstellation, nunmehr zwischen einer ganz offensichtlich absteigenden USA-Weltmacht und dem sich zu einer neuen Weltmacht entwickelnden China. Dieter Senghaas stellt die Friedenspolitik auf den Prüfstand.
Spenden sind gerade in der Vorweihnachtszeit ein allseits behandeltes Thema. Gemäß Prognosen soll heuer das Spendenaufkommen in Österreich erstmals die 700 Millionen Euro-Marke erreichen. Bernhard Hofer geht in seinem Beitrag der Frage nach, wofür und warum Menschen spenden und hält fest, dass Österreich noch weit vom sogenannten Spendenweltmeister entfernt ist.
Vor rund 90 Jahren wurde der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas in Düsseldorf geboren – Grund genug, dass soziologie heute dem Altmeister einen gebührenden Platz einräumt. Alfred Rammer widmet sich in dieser und den folgenden Ausgaben einigen ausgewählten Themen, die den Starintellektuellen immer wieder umtrieben.

Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit und einen erfolgreichen Start in das Neue Jahr!

Pressekonferenz Spendenbericht 2019

Am 27. 11. 2019 präsentierte der Fundraising Verband Austria den 10. Spendenbericht mit einer Prognose für das diesjährige Spendenaufkommen. Dieses wird erstmals die 700 Millionen Euro Marke erreichen – damit geben die Österreicher doppelt so viel wie vor 10 Jahren und die Spendenbeteiligung bleibt auf Rekordniveau. Im Bundeslandvergleich hat Wien den höchsten Anteil an Spendern, die Westösterreicher zeigen sich bei der Spendenhöhe am spendabelsten. Österreich ist eines der sichersten Spendenländer – bereits drei von vier der 100 größten NPOs tragen  das Österreichische Spendengütesiegel. Um die Entwicklung des gemeinnützigen Sektors auch für die nächsten Jahre sicher zu stellen, fordert der Fundraising Verband von der nächsten Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen, das Schließen der Lücken der Spendenabsetzbarkeit und damit mehr Wertschätzung.

Trotz schwächeren Wachstums gegenüber dem Vorjahr spenden die Österreicher 2019 so viel wie noch nie. „Die vielzitierten Spendenweltmeister sind wir in den vergangenen zehn Jahren nicht geworden. Aber: Das österreichische Spendenwesen hat sich kontinuierlich weiter entwickelt. Die österreichische Bevölkerung spendet mit 700 Mio. € dieses Jahr so viel wie noch nie. Österreichs Spendenorganisationen sagen dafür von ganzem Herzen Danke!“, zeigt sich Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands – Dachverband der Spendenorganisationen, beeindruckt über die Entwicklung. Damit hat sich das Spendenaufkommen seit dem ersten Spendenbericht 2010 verdoppelt. Abzuwarten bleibt, wie sich die Sammlungen rund um die Weihnachtszeit auswirken werden. Diese betragen in der Regel 25 bis 30 Prozent des gesamten Aufkommens. Das für 2018 ursprünglich erwartete Spendenaufkommen wurde mit 685 Millionen Euro klar übertroffen.

Wiener spenden häufig, Westösterreicher sind am spendabelsten

Mit einem Spenderanteil von 71% weist Wien im Bundesländervergleich die höchste Spendenbeteiligung auf. Am großzügigsten sind dieses Jahr aber die Salzburger, Tiroler und Vorarlberger. Mit 124 Euro ist die durchschnittliche Spende hier besonders hoch und liegt klar über dem bundesweiten Schnitt von 113 Euro. Oberösterreich liegt mit 119 Euro ebenso über dem Durchschnitt, während Wien mit 99 Euro und Steiermark und Kärnten mit 100 Euro pro Spender klar darunter liegen. Die Niederösterreicher und Burgenländer bewegen sich bei der Spendenhöhe genau im Österreichschnitt, sind mit 57% allerdings Schlusslicht bei der Spendenbeteiligung. „Bei den Spendenzielen sind den Österreichern bundesweit eindeutig Kinder, Tiere und die Soforthilfe bei Katastrophen besonders wichtig.“, erklärt Bernhard Hofer, Geschäftsführer des Sozialforschungsinstituts Public Opinion.

Rund 2,3 Millionen Menschen in Österreich engagieren sich ehrenamtlich in weit über 100.000 Vereinen und Spendenorganisationen. Darunter sind unzählige Jugendliche. „Über 85.000 Sternsingerinnen und Sternsinger motivieren die Bevölkerung jährlich zu großzügigen Spenden im Rahmen der Dreikönigsaktion. Durch diesen großartigen ehrenamtlichen Einsatz von vornehmlich Kindern und Jugendlichen können wir über eine Million Menschen in Not helfen. Ein starkes Zeichen für die große Solidarität in unserem Land.“, betonte heute Jakob Maierhofer-Wieser, Geschäftsführer Dreikönigsaktion – Hilfswerk der Katholischen Jungschar.

Jugend spendet verstärkt Online

Unter Jugendlichen spielt sich soziales Engagement vermehrt im Internet ab. Sie nutzen Online-Spendenplattformen, die für konkrete Projekte werben, und Apps, die über Mikrospenden funktionieren. Bei klassischen Geldspenden greift die Altersgruppe 14-29 %). Ansonsten greifen sie bei klassische Geldspenden aber verstärkt zu Online-Zahlungsmethoden: 29,7% spenden via Online-Banking, 25,2% über die Website der Organisation. Spenden-/Crowdfunding-Plattformen nutzen 12,6%. Ist der Erlagschein bei älteren Menschen die wichtigste Spendenmethode, sind es bei den Jugendlichen nur mehr 14,4%.

Forderung an Bundesregierung: Lücken bei der Absetzbarkeit schließen

Insgesamt wurden 215 Millionen Euro an Spenden zuletzt geltend gemacht. Weiterhin nutzen rund 1 Million Österreicher die Absetzbarkeit, jeder dritte Spendeneuro wird abgesetzt. Damit zeigt sich kaum Veränderung gegenüber den Vorjahren. Nach wie vor gilt die Spendenabsetzbarkeit aber nur für bestimmte Bereiche des Spendenwesens. Wichtige Zwecke wie Tierschutz oder Bildung werden ausgeschlossen. Die künftige Bundesregierung ist deswegen gefordert, diese Lücken zu schließen und bürokratische Hürden für den Dritten Sektor zu reduzieren. Von den 700 Mio. € Gesamtspenden sind rund 94 % oder 658 Millionen Euro spendenbegünstigt, 42 Millionen oder 6 % verteilen sich auf nicht begünstigte Zwecke wie Tierschutz, Bildung oder Sport. Dabei könnte etwa die Ausweitung der Spendenabsetzbarkeit auf Bildung laut Eco Austria-Studie jährlich 35 Mio. € mehr für gemeinnützige Projekte in diesem Bereich bringen. Ebenso gibt es massive Hürden und Zugangserschwernisse für Kultureinrichtungen. Für den Bereich Stiftungen wurde die Absetzbarkeit sogar zeitlich nur bis 2022 befristet, eine Verlängerung ist nicht absehbar.

Am 3. Dezember ist GivingTuesday

Millionen Menschen auf der ganzen Welt feiern am 3. Dezember gemeinsam das Geben – 2019 erstmals in größerem Rahmen auch in Österreich. Unternehmen, Spendenorganisationen und Privatpersonen engagieren sich an diesem Tag mit kreativen Spendenaktionen, ehrenamtlichen Mitarbeiteraktivitäten sowie Geld- und Sachspenden. Jeder kann mitmachen und etwas Gutes tun. In Österreich machen über 80 NPOs und Unternehmen mit. Der Tag des Gebens wird unterstützt von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen und Bundeskanzlerin Dr. Brigitte Bierlein.

Der Spendenbericht steht HIER  zum Download zur Verfügung.

Wissenschaftskommission Jahrestagung 2019

Vom 20. bis 21 November fand an der Landesverteidigungsakademie die Jahrestagung der BMLV-Wissenschaftskommission statt. Entsprechend der Rahmenvorgabe „Verteidigungsforschung – Verteidigung forschen: Sinne, Intelligenz und Technologie im 21. Jahrhundert“ lautete dieses Mal das Thema: Der Geschmacksinn und der Tastsinn. Moderiert wurde die Tagung in bewährter Weise von Bgdr. Dr. Walter Feichtinger. Höhepunkt der Veranstaltung war die Festrede des Bundesministers Mag. Thomas Starlinger. Bernhard Hofer (Public Opinion GmbH/Institut für Sozialforschung) referierte über „Bedeutung und Stellenwert von Tast- und Geschmackssinn im Wandel von Gesellschaft und Militär“.

GEWERBLICHE VERMÖGENSBERATER UND WERTPAPIERVERMITTLER

Veranlagung in Aktien, Anleihen und Investmentfonds: update in Theorie und Praxis

Inhalte:

  • Darstellung der verschiedenen Eigenschaften und Formen von Aktien und Anleihen (vor allem Risiko und Ertragsmöglichkeiten)
  • Darstellung der Anlagemöglichkeiten (Vor- und Nachteile) speziell im aktuellen Niedrigzinsumfeld und unter Berücksichtigung der weiteren möglichen Entwicklungsszenarien der COVID-19-Krise
  • Einsetzbarkeit von Investmentfonds als Alternative zur Einzeltitelveranlagung (Funktionsweise, Vor- und Nachteile)
  • Neuere Entwicklungen und Beispiele aus der Praxis)

Methodik: Vortrag

Zielgruppe: Vermögensberater, Wertpapiervermittler und interessierte Privatanleger mit Erfahrung

Dauer: 12.00 bis 14.10 Uhr

Referent: Michael SCHACHERBAUER

Termine: 19. 6. 2020 und 26. 6. 2020

Veranstaltungsort: 1010 Wien, Wipplingerstr. 18

Kosten: Euro 150,– exkl. 20 % MWSt

Mindestteilnehmerzahl: 10 Personen

Anmeldung


Veranlagung in Aktien, Anleihen und Investmentfonds: update in Theorie und Praxis

Inhalte:

  • Darstellung der verschiedenen Eigenschaften und Formen von Aktien und Anleihen (vor allem Risiko und Ertragsmöglichkeiten)
  • Darstellung der Anlagemöglichkeiten (Vor- und Nachteile) speziell im aktuellen Niedrigzinsumfeld und unter Berücksichtigung der weiteren möglichen Entwicklungsszenarien der COVID-19-Krise
  • Einsetzbarkeit von Investmentfonds als Alternative zur Einzeltitelveranlagung (Funktionsweise, Vor- und Nachteile)
  • Neuere Entwicklungen und Beispiele aus der Praxis)

Methodik: Vortrag

Zielgruppe: Vermögensberater, Wertpapiervermittler und interessierte Privatanleger mit Erfahrung

Dauer: 16.30 bis 18.40 Uhr

Referent: Michael SCHACHERBAUER

Termine: 29. 6. 2020 und 6. 7. 2020

Veranstaltungsort: Investcon (Zentrale), 4020 Linz, Spallerhofstr. 16

Kosten: Euro 150,– exkl. 20 % MWSt

Mindestteilnehmerzahl: 10 Personen

Anmeldung


Veranlagung in Aktien, Anleihen und Investmentfonds: update in Theorie und Praxis

Inhalte:

  • Darstellung der verschiedenen Eigenschaften und Formen von Aktien und Anleihen (vor allem Risiko und Ertragsmöglichkeiten)
  • Darstellung der Anlagemöglichkeiten (Vor- und Nachteile) speziell im aktuellen Niedrigzinsumfeld und unter Berücksichtigung der weiteren möglichen Entwicklungsszenarien der COVID-19-Krise
  • Einsetzbarkeit von Investmentfonds als Alternative zur Einzeltitelveranlagung (Funktionsweise, Vor- und Nachteile)
  • Neuere Entwicklungen und Beispiele aus der Praxis)

Methodik: Vortrag

Zielgruppe: Vermögensberater, Wertpapiervermittler und interessierte Privatanleger mit Erfahrung

Dauer: 12.00 bis 15.30 Uhr

Referenten: Michael SCHACHERBAUER

Termin: 3. 7. 2020 und 10. 7. 2020

Veranstaltungsort: 1010 Wien, Wipplingerstr. 18

Kosten: Euro 150,– exkl. 20 % MWSt

Mindestteilnehmerzahl: 15 Personen

Anmeldung


Veranlagung in Aktien, Anleihen und Investmentfonds: update in Theorie und Praxis

Inhalte: 

  • Darstellung der verschiedenen Eigenschaften und Formen von Aktien und Anleihen (vor allem Risiko und Ertragsmöglichkeiten)
  • Darstellung der Anlagemöglichkeiten (Vor- und Nachteile) speziell im aktuellen Niedrigzinsumfeld und unter Berücksichtigung der weiteren möglichen Entwicklungsszenarien der COVID-19-Krise
  • Einsetzbarkeit von Investmentfonds als Alternative zur Einzeltitelveranlagung (Funktionsweise, Vor- und Nachteile)
  • Neuere Entwicklungen und Beispiele aus der Praxis)

Methodik: Vortrag

Zielgruppe: Vermögensberater, Wertpapiervermittler und interessierte Privatanleger mit Erfahrung

Dauer: 16.30 bis 18.50 Uhr

Referenten: Michael SCHACHERBAUER

Termine: 13. 7. 2020 und 20. 7. 2020

Veranstaltungsort: Investcon Finanzconsulting, Spallerhofstr. 16, 4020 Linz

Kosten: Euro 150,– exkl. 20 % MWSt

Mindestteilnehmerzahl: 15 Personen

Anmeldung

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WISSENSVERTIEFUNG – Vorschau

Jede Volkswirtschaft braucht Banken, die Finanzierungen sicherstellen. Wie funktioniert das weltweite Finanzsystem überhaupt? Welche Auswirkungen haben politische Entscheidungen und wie wichtig sind Regulierungen? Was hat es mit der seinerzeitigen Immobilienblase auf sich und wie groß ist das Risiko, dass sich diese oder ähnliche Vorfälle wiederholen? Wo findet man noch sogenannte „Steuerparadiese“? Wie funktioniert Geldwäsche und was wird dagegen unternommen? Wie ist das mit der Staatsverschuldung? Diesen und noch mehr Fragen gehen die Referenten im Seminar auf den Grund, zeigen anhand zahlreicher Beispiele volkswirtschaftliche Zusammenhänge auf und erklären in leicht verständlicher Weise finanzwissenschaftliche Grundbegriffe und Eckdaten.

Inhalte:

  • Einführung in die Volkswirtschaft (Grundbegriffe, Eckdaten)
  • Volkswirtschaftliche Entwicklungen weltweit
  • Wirtschaftspolitische Maßnahmen und ihre Folgen
  • Ausgewählte Beispiele

Zielgruppe: Gewerbliche Vermögensberater, Wertpapiervermittler,

Dauer: 09.00 – 12.00 Uhr und 13.00 – 16.00 Uhr

Referenten: Univ.Prof.em. Dr.mult. Friedrich SCHNEIDER, Dr.in Elisabeth DREER, MSc.

Termin: noch offen

Anmeldung

Diskussionsabend 16. 10. 2019

Die Stimmung in Europa war schon mal besser. Nicht nur, weil die Wirtschaft in einem Tief zu stecken scheint oder weil Politiker als unfähig betrachtet werden. Die Krise geht noch viel tiefer. Unsere Welt ist in Unordnung geraten.

Was ist mit dem sozialen „Kitt“, der die sich allmählich neu herausbildenden gesellschaftlichen Systeme zusammenhalten könnte? Die Solidargemeinschaft wird bereits als gefährdetes Gut diskutiert. Existieren einstige Beziehungsnetze noch? Welche Werte zählen heute und kann auf diesen ein tragfähiges Fundament errichtet werden? Und welches sind die Fundamente, von denen aus sich die Wissenschaft der Welt zuwendet?

Im Gespräch gibt der Soziologe Klaus ZAPOTOCZKY Einblicke in aktuelle gesellschaftliche Phänomene und Zusammenhänge. Gleichzeitig wird der Versuch unternommen, Lösungsmöglichkeiten für tragfähige Strukturen einer künftigen Gesellschaft aufzuzeigen.

soziologie heute Oktoberausgabe 2019

Werte Leserin, werter Leser,

auch im Jahr 2019 gibt es u.a. wieder ein Jubiläum zu feiern: 100 Jahre ILO. Eva Senghaas-Knobloch berichtet über die Internationale Arbeitsorganisation und erläutert, warum diese noch immer „unentbehrlich“ ist.
In den letzten Wochen und Monaten war das Thema Klimaschutz im Fokus der Medien und die Umweltpolitik der brasilianischen Regierung verstärkte weltweit das Unbehagen. Francisco da Rocha beleuchtet in seinem Beitrag das weltfremde Verhalten der Politik des Jair Bolsonaro.
Georg W. Oesterdiekhoff und Hermann Strasser vertreten in ihrer Abhandlung, dass sämtliche Merkmale, die die kindliche Entwicklungsstufe kennzeichnen, genau die sind, die auch vormoderne Erwachsene charakterisieren.
Zwei interessante empirische Untersuchungen präsentieren wir Ihnen dieses Mal: zum einen ein Beitrag von Erika Geser-Engleitner und Julia Reiner über „Bettelnde Notreisende in Vorarlberg“, zum anderen eine einmalige Langzeitstudie von Konrad Hofer über die „Zufriedenheit von Menschen mit Behinderung in gemeinwesenintegrierten Wohngemeinschaften“.
Dass man unter „Minderheiten“ auch mal eine eher ungewohnte Gruppe verstehen kann, zeigt Egon Freiherr von Ellrichshausen auf. In seinem Artikel weist er auf 100 Jahre Antisemitismus und Minderheitendiskriminierung im österreichischen Verfassungsrecht hin.
C. Wright Mills – war er ein moderner soziologischer Klassiker wider Willen oder setzte er sich stets zwischen die Stühle? Dem Klassiker Mills widmet Richard Albrecht seine Darstellung eines scharfzüngigen soziologischen Kritikers.
Dieses und noch mehr erwartet Sie in der vorliegenden Ausgabe von soziologie heute.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Herbst!

Ihre soziologie heute-Redaktion

KIRAS-Sicherheitsforschungsprojekt „EvaReg“ startet im September 2019

Im September 2019 startet das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte Projekt „EvaReg – Evakuierungsregister hilfbedürftiger Personen im Evakuierungsfall“. Public Opinion kooperiert dabei mit der Joanneum-Research-Forschungsgesellschaft mbH, der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft mbH und dem Sozialverein Deutschlandsberg. Zahlreiche weitere Organisationen wie z.B. das Österreichische Bundesheer, Landespolizeidirektionen, Rotes Kreuz, Samariterbund, Caritas etc. sind im Projekt eingebunden.

Kurzbeschreibung:

Nicht allein immer häufiger vorkommende Naturkatastrophen, sondern auch erforderlichen Evakuierungen (z.B. Fliegerbombenfunde) nehmen stetig zu. Immer dichter werdende Besiedelung sowie eine älter werdende Bevölkerung lassen Evakuierungen für Einsatzorganisationen zu immer größeren, logistischen Herausforderungen werden. Häufig reichen temporär installierte Bürgertelefone zur Bekanntgabe von Unterstützungsbedarf im Evakuierungsfall nicht mehr aus.

Das Projekt EvaReg – Evakuierungsregister für hilfsbedürftige Personen im Evakuierungsfall – hat die Erstellung und Wartung eines digitalen Personenregisters für die Evakuierung im Krisenfall zum Ziel, um effizient und sicher helfen zu können. Hilfsbedürftige Personen sollen bereits im Vorfeld die Möglichkeit haben, sich in dem Personenregister zu registriere, Einsatzorganisationen können im Krisenfall direkt auf die Daten zugreifen und Hilfsmaßnahmen sofort einleiten. Aufgabe im Projekt ist es, durch Akzeptanzanalyse in der Gesellschaft sowie durch Bedarfsanalyse in Zusammenarbeit mit Einsatzorganisationen, die für die Evakuierung zuständig sind, zu eruieren, wie ein digitales Personenregister konzipiert sein muss und wie gut ein solches von der Bevölkerung angenommen wird. Nach der anfänglichen Erhebung der Anforderungen und Erfordernisse der Einsatzorganisation wird in einem ersten Pilotversuch eine prototypische Umsetzung des Personenregisters auf Basis eines existierenden Werkzeuges durchgeführt. In der letzten Projektphase wird eine koordinierte Übung in einer Beispielregion in Form einer Simulation eines Katastrophenfalls unter Einbindung aller wesentlichen Akteure angestrebt. Daraus können in weiterer Folge bereits erste Erkenntnisse in Bezug auf technische Voraussetzungen, Bedienbarkeit im Krisenfall und Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft für eine Überführung in den Regelbetrieb gewonnen werden.

Zielgruppen sind einerseits Institutionen und Organisationen, die im Krisen- oder Katastrophenfall mit der Evakuierung von Personen beauftragt sind und für deren Sicherheit sorgen müssen, andererseits Privatpersonen, die im Krisenfall auf die Unterstützung anderer angewiesen sind.

  • Kurzdarstellung der angestrebten Ergebnisse
    – Aussagen betreffend die Akzeptanz eines digitalen Personenregisters in der Bevölkerung
  • – Beschreibung der technischen Voraussetzungen für den sicheren Betrieb eines Personenregisters
  • -Beschreibung der inhaltlichen Anforderungen der Einsatzorganisationen an ein Personenregister
  • – Evaluierungsbericht nach Pilotversuch (koordinierte Übung in einer Beispielregion in Form einer Simulation eines Katastrophenfalls)

soziologie heute – Augustausgabe 2019

Werte Leserin, werter Leser,

europaweit und global scheinen sich Spannungen und Konflikte auszubreiten. Menschen sind vielerorts beunruhigt, haben Angst. Manche sprechen von einer Spaltung der Gesellschaft. Die Ökumenische Sommerakademie in Kremsmünster griff dieses Thema auf und lud neben Sozialwissenschaftlern, Theologen, Menschenrechtlern erstmals auch Politiker ein, ihre Erwartungen an Kirchenvertreter zu formulieren, sich aber auch deren Kritik zu stellen. soziologie heute war dabei und präsentiert Ihnen die wichtigsten Auszüge aus Vorträgen und Interviews.

Auch Soziologinnen und Soziologen sind nicht davor gefeit, ihre eigene Lebenswelt nicht richtig einschätzen zu können. In seiner Lebensmitschrift eines Soziologen weist Hermann Strasser auf so manch eigenartige Entwicklungen hin und fragt: Sind wird auf dem Weg in die taktische Gesellschaft?

Jeder von uns war schon einmal mit Bettlern konfrontiert. Eine ausgestreckte Hand, ein Hut oder Teller signalisiert die Bitte um eine „milde Gabe“. Neben dieser stillen Form des Bettelns gibt es allerdings auch offensive Formen, wo der Bettelnde davon ausgeht, ein Recht auf die Gabe zu haben. Ulrich Steuten analysiert in seinem Beitrag das Betteln als soziale Interaktion.

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Mit diesem Sprichwort reagiert man im Alltag gerne auf Leute, die die Schuld für ihr Unglück vor allem bei anderen suchen. Heiner Meulemann geht der Frage nach, was es mit diesem Sprichwort auf sich hat.

Neben diesen genannten Themen erwarten Sie noch zahlreiche weitere Beiträge, z. B. über Ordnung und Unfrieden von Sven Papcke, Klimapolitik von Dieter Senghaas, Bertolt Brechts Niederlagen von Richard Albrecht oder über massenmediale Indoktrinationen von Bernhard Martin, u.v.m.

Wir wünschen Ihnen noch einen erholsamen Sommer – erfüllt von spannenden soziologischen Phänomenen!

Bernhard Hofer / Claudia Pass / Alfred Rammer

Näheres unter: www.soziologie-heute.at