Bezirk erprobt Evakuierungsregister

Digitale Datenbank als Unterstützung für Einsatzorganisationen

Die Einsatzorganisationen koordinieren ihre Kräfte (Foto: Public Opinion)

Am 16. Oktober 2020 fand auf Initiative des Sozialvereines in der Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg die Erprobung eines vom JOANNEUM RESEARCH und Projektpartnern entwickelten Evakuierungsregisters (EvaReg) statt. Mitarbeiter aus drei Gemeinden des Bezirkes übten die Dateneingabe. Anschließend probten die Einsatzorganisationen entsprechende Evakuierungsmaßnahmen.

Die Corona-Krise zeigt dzt. sehr eindrücklich, dass sich Ältere und Personen mit Vorerkrankungen als besonders vulnerabel erweisen und besonderer Beachtung bedürfen. Zieht man die in den letzten Jahren vermehrt auftretenden Katastrophen wie Hochwasser, Murenabgänge, Lawinen, Erdbeben, langanhaltende Stromausfälle und dergleichen in Betracht, stellt sich die Frage, wie hilfs- und pflegebedürftigen Personen in solchen Fällen am besten geholfen werden kann. Das nunmehr entwickelte Register ist dafür maßgeschneidert.

Beim Projekt EvaReg geht es um die Erstellung und Erprobung einer digitalen Datenbank. Es handelt sich dabei um ein Register, das es möglich macht, hilfsbedürftige Personen in Privathaushalten im Katastrophenfall zu evakuieren. Die Idee ist, dass ein derartiges System in Kooperation von Bund, Länder und Gemeinden mit den Einsatzorganisationen betrieben werden soll.

Damit Betroffene im Falle einer Katastrophe rasch in Sicherheit gebracht werden können, ist es für die Einsatzkräfte enorm hilfreich, wenn diese bereits im Vorfeld wissen, welche Art von Hilfe benötigt wird. Bei EvaReg werden die Daten zu hilfsbedürftigen Personen in ein sicheres und geschütztes Datenmanagementsystem eingegeben. Die entsprechenden Daten müssen freiwillig zur Verfügung gestellt werden und nur bestimmte Personen mit kontrollierter Berechtigung haben darauf Zugriff. Eine Eintragung in das Evakuierungsregister ist kostenlos und kann in Krisenfällen Leben retten.

„Das Evakuierungsregister stellt für die betroffenen Menschen und ihre Familien eine Sicherheit dar, in Augenblicken auf eine Hilfe zählen zu können, die man vielleicht aus dem persönlichen Umfeld nicht mobilisieren kann“, so Bezirkshauptmann Dr. Helmut-Theobald Müller. Ein Zugriff auf das Evakuierungsregister könnte in Hinkunft die Arbeit der Behörden und Einsatzkräfte deutlich verbessern. „Das Register ist datenschutzrechtlich bestens abgesichert und zwischen den Behörden und Einsatzkräften gut abgestimmt.“

Der Bürgermeister der Marktgemeinde Bad Schwanberg, Mag. Karl-Heinz Schuster, verweist darauf, dass Katastrophen manchmal schnell und unerwartet eintreten können. Er erinnert sich an eine Sturmkatastrophe vor einigen Jahren, wo wichtige Wege blockiert waren und bettlägerige bzw. von Krankheit betroffene Menschen evakuiert werden mussten. Pläne, wie man am besten helfen kann, seien deshalb enorm wichtig.

Auch Johanna Eberhardt vom Sozialverein Deutschlandsberg verweist auf die Wichtigkeit der Themen Katastrophe und Evakuierung. Bereits im Vorfeld sollte man sich deshalb Gedanken machen über eine allfällige persönliche Evakuierung oder die seines Umfeldes. „Damit es im Ernstfall dann auch funktioniert für die Bevölkerung, denn diese sollte noch immer das Wichtigste sein“, betont Eberhardt.

Kurzvideo vom Pilotversuch

Eine im November 2019 durchgeführte repräsentative Studie von Public Opinion zeigt auf, dass jede(r) zweite Österreicher(in) im Falle einer plötzlich auftretenden Katastrophe Hilfe benötigen würde. 39 Prozent wären auch bereit, sich auf alle Fälle in ein Evakuierungsregister eintragen zu lassen. Die im Pilotversuch gewonnenen Ergebnisse werden nun ausgewertet und anschließend dem Bund und Fördergeber übermittelt. Eines hat sich beim Pilotversuch schon gezeigt: alle Beteiligten sind von der Sinnhaftigkeit, Notwendigkeit und der einfachen, praktischen Handhabung überzeugt.